Die SAT.1-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“


Liebe braucht kein Mensch. So zumindest die Botschaft von „Hochzeit auf den ersten Blick“. In der neuen Sat.1-Show treten Männer und Frauen vor den Altar, die sich nie zuvor gesehen haben.

Ich habe nur den Schluss dieser Sendung gesehen und frage mich, welche Hoffnung diese Sendung bei den Partnersuchenenden hervorruft. Denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und warum dann nicht sogar vielleicht auch eine arrangierte Ehe? Die Liebesheirat ist ja bekanntlich eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und davor scheint es – schauen wir uns die Scheidungsraten heute an – fast besser „funktioniert“ zu haben.

Was sagt zum Beispiel die Zeitschrift emotion dazu?

http://www.emotion.de/de/psychologie/hochzeit-auf-den-ersten-blick-6806

Zusammenfassend heißt es – dieser Absatz gefällt mir besonders gut – : Die neuen Medien machen uns zu Architekten eines Lebens, in dem alles geht und nichts dem Zufall überlassen bleibt. – Allerdings: Bei wem das unser Herz am Ende schneller schlägt das ist schwer planbar…neben wem werden wir da eigentlich erwachen, wenn der rauschhafte Traum der Verliebtheit endet? Ist das ein Mensch, bei dem wir bleiben wollen? Und der umgekehrt auch uns liebt?

Sehr, sehr nüchterne Fragen, zugegeben! Auch wenn es SAT.1 mit dieser Show vielleicht nicht einmal vorhatte, aber es gibt uns die Möglichkeit, bisherige evtl. zu romantisierte und nicht realisierbare Vorstellungen von einer Partnerschaft zu überdenken und ggf. unsere Einstellung zu revidieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir die Vorstellung von oder eine Neigung zur Romantik völlig aufgeben müssen!!

Wie habe ich das Thema Partnerschaft bisher selbst erlebt?

Ich habe beide Seiten erlebt. Das schnelle Entflammen und das schnelle Erlöschen der Liebe, wenn der gemeinsame Alltag nicht klappt und stetiger  Frust einkehrt.  Wie sagte vor kurzem eine 78-jährige Kandidatin zu diesem Thema bei Günther Jauch auf RTL bei „Wer wird Millionär?“: „Von einem schönen Teller kann man nicht immer essen …“

Und dann hatte  ich auch eine Beziehung: Ich war eigentlich nicht mal in ihn verliebt, als ich ihn kennenlernte. Alles war ganz „nett“: Wir hatten ähnliche Interessen, ähnliche Werte und vor allem aber auch den gleichen Humor und es dauerte auch seine Zeit, bis wir schließlich ein Paar wurden. Der gemeinsame Alltag, die gemeinsamen Urlaube etc. fielen uns zunehmend leichter, weil wir nicht voneinander erwarteten, dass der andere uns unsere Wünsche erfüllt, sondern uns beiden bewusst war, dass wir uns aufeinander zugehen mussten, um glücklich zu werden.

Mein persönliches Fazit:

Vor einigen Jahren hätte ich nach wie vor immer wieder dieses schnelle Verlieben bevorzugt Mittlerweile und das mag vielleicht auch am Alter liegen:-), ist mir die langsamere Variante lieber – erst zu prüfen, inwieweit unsere Werte sich decken, bevor ich mich binde. Verlieben ist schön, sich zu schnell entlieben tut manchmal weh und gibt der Liebe immer mehr den Charakter eines Konsumgutes, statt den Stellenwert einer Verbindung, die ja dauerhaft und gefestigt sein soll. Das erreicht man, indem man sich Zeit nimmt, herauszufinden, was man will.

Und das praktiziere ich auch in meiner Partnervermittlungspraxis Ich will „alles“ über meine Kunden wissen:-): Wie sie ticken, was ihnen wichtig ist, welche Werte sie haben, was sie in die Beziehung einbringen können, wie konfliktfähig sie sind…
Damit bekomme ich ein gutes Bauchgefühl für den Suchenden und kann ihr/ihm einen entsprechenden Partner vorschlagen.

Gerade weil wir Menschen so individuell sind, gibt es auf keinen Fall nur eine einzige Wahrheit. Ich rate deshalb dazu, sofern das in den Lebensjahren noch nicht geschehen ist, beide Varianten zuzulassen. Denn erst dann, weiß Frau/ Mann wie sie/er tickt und was ihr/im wichtig ist und kann danach auch den wirklich auf Dauer passenden Partner suchen.

Und wer weiß, am Ende passt vielleicht sogar „Hochzeit auf den ersten Blick“:-) Und wenn der zweite oder dritte Blick sogar schöner ist, auch gut oder noch besser!

Eure Nena