Wenn wir vieles zu Partnersuche lesen und hören, dann stellen wir uns in der Regel erfolgreiche und gutaussehende Frauen und Männer vor, die einen entsprechenden attraktiven Partner suchen. Da sind wir einfach medientechnisch geprägt. Ist das jedoch die Realität? Wie sieht es mit den Singles aus, die z. B. einen Burnout, andere Krankheiten oder sogar eine Behinderung haben? Wie beeinflusst deren „Krankheitsbild“ die Partnersuche bzw. die Partnerwahl?

Mittlerweile ist dieses Thema in meinem Freundes- und Bekanntenkreis angekommen, die Krankheiten „schleichen“ sich langsam an. Aber auch als Partnervermittlerin werde ich zwischenzeitlich mit dieser Thematik konfrontiert. Finde ich überhaupt einen Partner, wie kann der künftige Partner damit umgehen, kann ich dies der Partnerschaft überhaupt zumuten? Entspreche ich der idealen Vorstellung eines Partners / einer Partnerin? Das sind Fragen, mit denen sich Betroffene auseinandersetzen. Oder für die Nichtbetroffenen: Wie gehe ich damit um, wenn ich einen Partner mit Behinderung/Einschränkung kennenlerne? Bin ich hierfür offen und tolerant?

Ich selbst bin ein Beispiel hierfür.  Seit Kindheit sehe ich nur mit einem Auge. Manchmal fängt das Auge an, nach innen zu wandern. Als Kind und als Teenie, könnt Ihr euch vorstellen, eine Katastrophe. Ich wurde ständig mit Clarence dem schielenden Löwen von Daktari verglichen (die Älteren von uns kennen ihn noch:-)). Was aus heutiger Sicht ein Unding ist, mich damals agiles zierliches Kind mit dem schwerfälligen, jedoch süßen, Löwen zu vergleichen:-). Es gab immer Situationen, die mich in der Partnersuche ausgebremst haben, bzw. wo ich mich selbst auch ausgebremst habe.

Heute kann ich damit ganz gut umgehen, oftmals sage ich scherzhaft, ich habe gerade einen krummen Blick, aber manchmal klappt es halt auch nicht.

Wir müssen kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass es hierbei um die eigene Selbstliebe und Selbstakzeptanz geht.  Dass wir uns so annehmen, wie wir sind, auch wenn wir unserer Meinung nach vielleicht vom Perfektionismus meilenweit entfernt sind. Aber es geht auch darum, zu erkennen, dass es nicht den perfekten bzw. die perfekte Partnerin gibt. Dass der Mann, der z. B. ein kürzeres Bein hat und entsprechend humpelt, viel besser zu uns passt. Dass die Frau, die gerade mit einem Burnout zu kämpfen hat, die ideale Partnerin für uns ist, auch wenn sie nicht alles mitmachen kann und ab und dann Auszeiten für sich braucht. Es geht darum zu erkennen, dass das Leben gerade in seiner Unvollkommenheit besonders schön, spannend und facettenreich ist. Und oftmals lohnt sich ein zweiter und dritter Blick, bevor Frau/Mann eine Partnerwahl trifft.

Eure Nena

P.S. Übrigens, ich finde Clarence immer noch super:-)